Ja, mit einem Longboard kann man Tricks machen – welche sinnvoll sind, hängt aber vom Deck ab. Ein kompakter Cruiser mit Kicktail eignet sich für Manuals, Pivots und kleine Bordstein-Skills; ein langes Dancing-Deck bietet Platz für Cross-Steps; ein Freestyle-Deck ist für Shove-its und Board-Flips gebaut; und ein Freeride-Setup ist für kontrollierte Slides ausgelegt. Ein einziges Board ist nicht für jede Kategorie ideal.
Wenn du neu bist, lerne Pushen, Lenken und Fußbremsen, bevor du Tricks dazunimmst. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Trick-Familien, welche Setups dazu passen und wie du vorankommst, ohne fortgeschrittene Slides oder Sprungtricks als Anfängergrundlagen zu behandeln.
Longboard-Trick-Kategorien im Überblick
| Trick-Stil | Typische Skills | Am besten geeignetes Setup | Für Anfänger |
|---|---|---|---|
| Cruiser-Skills | Manuals, Tic-Tacs, Pivots, Kick Turns, Curb Drops | Kompaktes Topmount mit nutzbarem Kicktail | Gut, sobald die Grundkontrolle sitzt |
| Dancing | Cross-Step, Peter Pan, Lookback, Pirouette | Lange, relativ flache Plattform mit angenehmem Flex | Gut bei niedrigem Tempo |
| Freestyle | Shove-its, No-Comply-Varianten, Tiger Claws, Flips | Symmetrisches oder Twin-Kick-Freestyle-Deck | Fortgeschritten |
| Freeride-Slides | Hands-down-Slides, Stand-up-Slides, Speed Checks | Stabiles Freeride-Board, Slide-Rollen und richtige Schutzausrüstung | Anleitung durch Erfahrene empfohlen |
| Downhill-Technik | Tuck, Pre-Drifts, Linienwahl | Steifes, stabiles Downhill-Setup | Keine Trick-Kategorie für Anfänger |
1. Tricks auf einem kompakten Kicktail-Cruiser
Mit einem Kicktail kannst du die Vorderräder anheben und das Board umlenken. Dadurch eignet sich ein Cruiser für praktische Skills bei niedrigem Tempo statt für lange Freestyle-Kombinationen. Beginne auf glattem, ebenem Boden mit viel Platz.
- Manual: Balanciere kurz auf den Hinterrädern und halte die Schultern mittig über dem Board.
- Tic-Tac: Hebe die Vorderräder leicht an und bewege die Nose von Seite zu Seite, um dich neu auszurichten oder etwas Schwung zu erzeugen.
- Kick Turn: Drücke leicht aufs Tail, um das Board bei niedrigem Tempo gezielt zu drehen.
- Hippie Jump: Spring ab, während das Board unter einem Hindernis weiterrollt; übe die Bewegung zuerst ohne Hindernis.
Ausführliche Übungen, typische Fehler und eine Abfolge aus sieben Skills findest du in unserem Tutorial zu Cruiser-Tricks für Anfänger.
2. Dancing-Tricks
Longboard Dancing verbindet Fußarbeit mit einem Board, das weiterrollt. Ein längerer Radstand und eine großzügige Standfläche geben dir Platz, um die Füße zu bewegen. Leichter Flex kann sich angenehm anfühlen, aber das Deck sollte dein Gewicht trotzdem berechenbar tragen.
- Cross-Step: Geh mit kontrollierten, gekreuzten Schritten Richtung Nose und kehr dann in deinen Fahrstand zurück.
- Peter Pan: Wechsle gekreuzte Schritte ab, während du sanft von Seite zu Seite carvst.
- Lookback: Dreh Oberkörper und Füße kurz in eine nach hinten gerichtete Position und löse die Drehung dann wieder auf.
- Ghostride: Steig neben dem rollenden Board ab und wieder auf; das erfordert ein sehr gutes Gespür für Tempo und eine leere Übungsfläche.
Übe die Fußpositionen zuerst im Stand, dann in Schrittgeschwindigkeit. Dancing ist nicht automatisch sicherer, nur weil es langsam gefahren wird: Eine Rolle, die unerwartet blockiert, kann trotzdem einen Sturz nach vorne auslösen.
3. Freestyle-Tricks
Beim Freestyle bewegst du nicht nur deinen Körper, sondern manipulierst auch das Board. Symmetrische Decks mit funktionalen Kicks an beiden Enden machen es leichter, Tricks aus beiden Richtungen anzugehen. Kleinere, härtere Rollen können Gewicht sparen und Wheelbite vorbeugen, rollen aber auch weniger angenehm über rauen Asphalt.
Typische Freestyle-Skills sind Shove-its, No-Comply-Varianten, Tiger Claws und Oldschool-Flips. Sie belasten Deck und Achsen stärker als normales Cruisen. Prüfe vor jeder Session das Deck auf Risse, die Achsschrauben auf Spiel und die Rollen auf Schäden.
4. Freeride-Slides sind eine eigene Disziplin
Bei einem Slide wird die Haftung der Rollen bewusst gebrochen, sodass sich das Board seitwärts bewegt. Das kann zum Tempomanagement genutzt werden, aber beim Lernen sind Tempo und mögliche Folgen höher als bei Manuals oder Dancing-Schritten. Für Anfänger sollten Slides eine zuverlässige Fußbremse nicht ersetzen.
Freeride-Fahrer nutzen meist berechenbare Slide-Rollen, ein stabiles Board und Slide-Handschuhe für Hands-down-Techniken. Das Verhalten der Rollen hängt von Urethanmischung, Kontaktfläche, Lippenform, Oberflächenfinish, Fahrergewicht und Asphalt ab – nicht nur von der Härte. Lerne an einem gesperrten, sanften Gefälle mit freiem Auslauf und unter erfahrener Aufsicht.
Kann jedes Longboard jeden Trick?
Nein. Grundlegende Balance-Skills lassen sich auf viele Boards übertragen, aber die Geometrie setzt echte Grenzen. Ein Drop-Through-Pendlerboard ist stabil und leicht zu pushen, doch seine tiefe Plattform und das Fehlen eines brauchbaren Kicktails machen Freestyle umständlich. Ein flexibles Dancing-Board bietet Platz für Fußarbeit, ist aber nicht für schnelles Downhill gebaut. Ein kleiner Cruiser ist wendig, lässt aber wenig Raum für lange Dance-Kombinationen.
| Board-Merkmal | Hilft bei | Nachteil |
|---|---|---|
| Einzelnes Kicktail | Manuals, Pivots, Kick Turns | Weniger Symmetrie für Switch-Freestyle |
| Twin Kicks | Freestyle in beide Richtungen | Meist weniger effizient beim Pushen auf Strecke |
| Lange Standfläche | Dancing und Fußarbeit | Mehr Board zum Tragen und Drehen |
| Tiefe Drop-Through-Plattform | Stabilität beim Pushen und Pendeln | Weniger Hebel für Tail-Tricks |
| Steifes Deck | Berechenbarkeit bei Tempo | Weniger verzeihendes Gefühl beim lockeren Carven |
Ein sicherer Lernweg für Anfänger
- Erst die Kontrolle: Entwickle einen gleichmäßigen Stand, push, ohne auf die Füße zu schauen, und lerne auf ebenem Boden Fahren und Fußbremsen.
- Balance bei niedrigem Tempo: Übe Carving, kurzes Switch-Fahren und das Umsetzen der Füße auf dem Deck ohne Hindernisse.
- Board-spezifische Grundlagen: Wähle Manuals und Pivots für einen Kicktail-Cruiser oder Cross-Steps für ein Dancing-Deck.
- Rotation vorsichtig dazunehmen: Geh erst zu Shove-its, No-Comply-Skills oder Pirouetten über, wenn du in beide Richtungen sicher absteigen kannst.
- Slides und Tempo getrennt behandeln: Nutze passende Schutzausrüstung, einen kontrollierten Ort und erfahrenes Coaching.
Schutzausrüstung und Übungsfläche
Trage einen zertifizierten, richtig sitzenden Helm. Knie-, Ellbogen- und Handgelenkschoner mildern die Folgen wiederholter Stürze bei niedrigem Tempo; Slide-Handschuhe sind beim Üben von Hands-down-Slides unverzichtbar. Die Schuhe sollten fest sitzen und ein gleichmäßiges Boardgefühl vermitteln.
- Nutze glatten, trockenen Asphalt abseits von Verkehr, Fußgängern und Einfahrten.
- Prüfe vor dem Start auf Steine, Risse, nasse Stellen und Wheelbite.
- Mach die ersten Versuche in Schrittgeschwindigkeit und lerne, wie du absteigst.
- Hör auf, wenn Müdigkeit Fußplatzierung oder Bremsen unzuverlässig macht.
So wählst du deine erste Trick-Richtung
Wähle den Stil, der zu deinem vorhandenen Board und deiner Lieblingsfahrweise passt. Nutzt du einen kompakten Cruiser zur Fortbewegung, beginne mit Manuals und Kick Turns. Magst du fließende Fußarbeit, denk über ein Dancing-Deck nach. Willst du technisch mit dem Board spielen, macht ein speziell gebautes Freestyle-Deck den Fortschritt realistischer. Kauf kein Downhill-Setup, nur weil es stabil aussieht, wenn dein Ziel Tricks bei niedrigem Tempo sind.
Hinweis zu Redaktion und Erfahrung: Dieser Ratgeber unterscheidet etablierte Longboard-Disziplinen nach ihren üblichen Anforderungen an Ausrüstung und Bewegung. Er basiert auf Juan Campuzanos Longboard-Erfahrung seit 2010 und seiner Arbeit mit internationalen Longboard-Marken. Es ist ein Lernleitfaden zu Bildungszwecken, keine Behauptung, dass jeder genannte Trick oder jedes aktuelle Produkt unabhängig im Labor getestet wurde. Zustand der Ausrüstung, Können des Fahrers und das Gelände vor Ort können das Risiko erheblich verändern.



